Angebote gibt es genug. Auch gute Angebote, überzeugend klingende von sympathischen Personen, die in ausgezeichnet gemachten Posts und Reels dafür werben. In der Tat: Wer heute spirituellen Rat oder Unterstützung bei einem Prozess braucht, wird fündig. Ob Schamanismus, Mind Architecture, Frauenkreis oder Energetisierungs-Retreat – jede und jeder kann eine Sprache finden, mit der sie oder er in Resonanz geht. Alles, was man tun muss, ist: Ausatmen, ins Herz gehen und dann einfach alles loslassen, was einem nicht gut tut. Oder?
Irgendwann weiß man alles über sein Problem, kann es aber noch immer nicht lösen
Das soll nicht polemisch klingen. Im Gegenteil profitiere ich selbst von der Vielzahl der Stimmen und Hinweise im Netz sehr und erlebe immer wieder, dass mir beim Scrollen genau das begegnet, was ich jetzt gerade hören muss, wenn ich feststecke. Aber ich lebe bereits in meinem Herzen. Nicht 24/7, aber ich kenne den Weg und lasse mich von dort aus leiten. Die Schichten von Trauma oder vielleicht auch nur hartnäckigen Angewohnheiten, mit denen ich zu tun habe, zeigen sich, weil sie gelöst werden wollen. Ich bin sozusagen trainiert und kann sofort loslaufen, wenn mir jemand zeigt, welche Wege es noch gibt.
Menschen, die noch stärker gefangen sind, sei es von chronischen körperlichen oder psychischen Beschwerden, von Ängsten, Zwängen oder Konditionierungen, sind oft nicht so frei. Sie hören die Botschaften und verstehen mental absolut, dass beispielsweise die miserable Ehe ihrer Eltern kein Grund ist, selbst keine Partner*in finden zu wollen. Oder dass sie selbst die Exper*innen ihrer körperlichen Gesundheit sind. Aber wenn trotzdem Panik aufkommt, sobald ein Date droht oder sie gar nicht wissen, woran sie erkennen sollen, was ihnen gut tut, führt das nicht weiter. Dann weiß man lediglich noch ein bisschen besser über sein Problem Bescheid, hat es deswegen aber noch immer nicht gelöst.
Auch Online- oder Gruppenkurse können Bausteine auf dem Weg sein – wenn man vorbereitet ist
Es gibt natürlich auch längerfristige Programme. Onlinekurse sind niedrigschwellig, Live-Online-Gruppenangebote eine Möglichkeit, sich erstmal vorsichtig, bei Bedarf verdeckt, zu nähern. Aber bringt einen das wirklich über die Schwelle? Gelingt es damit, die eigenen Überlebensmuster zu erkennen, zugrundeliegende Traumata zu lösen und die neuen Möglichkeiten ins Leben zu integrieren? Ich denke, alles sind Bausteine auf dem Weg, etliches trägt bei – innere Freiheit ist ein Projekt des lebenslangen Lernens. Aber eine grundlegende, ganz persönliche Begleitung auf den ersten Metern des Weges, den man gerne nehmen möchte, ist in vielen Fällen unerlässlich.
Jede und jeder kann fühlen, weiß, was sie oder er braucht, und wie ein Leben in Freude und Liebe aussehen könnte. Dass der Zugang noch nicht gefunden ist, heißt nicht, dass es ihn nicht gibt. Aber das Tor ist immer individuell – so wie der Weg.

