Trigger willkommen! Entmachte die Stressmomente der Feiertage durch Wahrnehmung

Die Tage zwischen Wintersonnenwende und Neujahr sind die dichtesten des Jahres. Eng bepackt mit allem, was noch an letzten Dingen zu tun ist, bevor man erschöpft am Festtagstisch Platz nehmen kann. Voller Erinnerungen an diese Zeit in früheren Jahren, besonders der Kindheit. Und reich gesegnet mit Triggern aller Art.

Denn: Sehnsuchtsbilder, Worst-case-Szenarien und Medienidyllen verschränken sich zu einer riesigen Anspruchshaltung an Weihnachten und die „Tage zwischen den Jahren“, der nie, aber auch niemals entsprochen werden kann und die enormen Druck erzeugt. Da wird noch kurz vor dem Kirchgang, bereits im besten Wollmantel, hektisch gesaugt, damit nachher kein Stäubchen die Idylle trübt. Da werden die Kinder sofort nach der Bescherung angetrieben, sich bei den Großeltern telefonisch für Geschenke zu bedanken, mit denen sie noch gar nicht gespielt haben. Da liegt beim Familienbesuch das wieder mal Ungesagte schwerer im Magen als die fette Gans und wiegt die Einsamkeit dreimal so viel wie sonst.

Im Alltag lassen sich Trigger überspielen oder als Verschulden anderer verbuchen. An Weihnachten nicht

Und ja, das sind Triggermomente. Das Problem sind nicht die anderen, die auch mal hätten putzen können (wenn sie jemand gebeten hätte). Nicht die Kinder, die nicht wissen, was sich gehört (und deren Bedürfnisse wichtiger sind als die von Großeltern). Nicht der mansplainende Onkel oder die überkritische Kusine. Das Problem ist, dass deren Verhalten Gefühle in Ihnen auslösen, die weit größer sind, als es dem Anlass entspricht. Diese großen Gefühle werden immer dann in kleinen Portionen frei, wenn alte Wunden berührt werden. Im Alltag lässt sich das überspielen oder als Verschulden anderer verbuchen. Aber an Weihnachten nicht. In dieser Zeit sind sie zu dicht gesät, der ganze Tag wird zum Minenfeld mit Blick auf das, was alles noch geleistet werden muss etc.

Dabei könnten genau diese Tage, die von vielen auch als Raunächte begangen werden (andere nehmen dazu die Nächte von 25.12. bis zum Dreikönigstag am 6.1.), ein großes Ausatmen sein – wenn man sich darauf verständigen würde, sich gegenseitig nichts zu schenken und wenn jede und jeder vor allem eines tun würde: versuchen, mit sich selbst im Reinen zu sein, und alle andere zu respektieren, die das auch tun. Stattdessen kommen die Raunachtsrituale oft noch als weitere Belastung hinzu: Räuchern und die eigenen „Themen“ bearbeiten als weiterer Punkt auf der To-do-Liste zwischen Betriebsweihnachtsfeier und Hausputz – Anleitungsbücher und Räuchersets gibt es im Handel.

Aber wie der Spirale entkommen, ohne aus dem sozialen Netz zu fallen? Wie feststellen, was ein authentischer Wunsch ist, die Feiertage zu gestalten, und was eine Konditionierung, die einen nur stresst? Die Trigger weisen dir den Weg!

Die Beobachtung einer Situation genügt oft schon, um diese zu verändern

Begib dich in die Beobachtungsebene und registriere, was für dich alles auf eine bestimmte Weise sein muss und nicht anders sein darf. Bemerke, in welchen Situationen du aus deiner Ruhe kommst, wann du anfängst, anderen Vorwürfe zu machen – laut oder im Stillen. Welche Rolle glaubst du zu haben, wofür fühlst du dich verantwortlich? Und: Was alles sagst du nicht und willst es auch nicht thematisiert haben? In welchen Momenten fühlst du dich am wohlsten … und warum? Weil etwas geschafft ist oder weil du genießt, etwas zu tun?

Mach dir Notizen und nimm dir für jeden Eintrag am Abend ein paar Minuten, in denen du dir im Dunkeln und in der Stille die Frage stellst: Was war das? Ist das so? Will ich das wirklich? Wie fühle ich mich damit? Es braucht gar kein weiteres Protokoll: keine Schlussfolgerungen, Lösungsideen oder verbrannten Zettel. Der kleine Perspektivwechsel und ein paar Minuten des Innehaltens werden schon viel Druck von dir nehmen und ihre Raus-aus-dem-Hamsterrad-Magie entfalten: Dir werden Bilder von früher in den Sinn kommen, es werden dir Verhaltensmuster auffallen, die du gerne ändern würdest, es wird dir unter manchem Stress vielleicht eine Traurigkeit bewusst werden, ein Schmerz. Nimm ihn wahr, lass ihn da sein, mehr braucht er oft gar nicht, um danach zu gehen.

Nutze die Triggerdichte dieser Tage als Möglichkeit

Sei vor allem für dich selbst da in diesen letzten Tagen des Jahres. Frag dich in dieser wahrhaft rauen Zeit: Was brauche ich jetzt? Und: Wie kann ich es mir nehmen? Das ist nicht egoistisch. Im Gegenteil. Es mag paradox klingen, aber: Erst wenn alle das, was sie voneinander erwarten, in sich selbst investieren, ist die Basis für ein echtes Miteinander gegeben: ohne Erwartungen und Projektionen, sondern in der Freude über die Besonderheit der anderen.

Nutze die Triggerdichte dieser Tage also als Möglichkeit. Anders als zu anderen Zeiten des Jahres kannst du sie ohnehin nicht überspielen. Guck aufmerkam hin, und schicke jedes Mal, wenn du in die Luft gehst, einen Stich im Herzen spürst oder den Zwang, etwas Bestimmtes zu tun, ein Memo an dich selbst mit der Botschaft: Aha. Hier reagiere ich also so. Gucke ich mir später genauer an. Das reicht oft schon oder entlastet zumindest spürbar – probier es aus!

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