Es gibt Tage, an denen dich alles stört. Wie dein Partner kaut. Das Elektrobike, das jemand direkt vor deiner Tür abgestellt hat. Die Kollegin, die wegen ihres Heuschnupfens das Fenster geschlossen haben will. Die Leute im Supermarkt, die sich wie in Zeitlupe bewegen. Die Fliege an der Wand. Und am meisten: Dein eigener Anblick im Spiegel.
Du bist unzufrieden, ja zornig, fühlst dich zurückgesetzt, hässlich und allein. Wenn dich jetzt jemand fragen würde: Was brauchst du? würdest du in Tränen ausbrechen. Denn irgendwie brauchst du alles – aber willst gar nichts, schon gar nicht von den anderen. Du fragst dich: Warum kann es nicht ein einziges Mal für mich rund laufen? Warum geht es allen immer besser als mir?
Als Wasser im Wasser hast du an allem teil
Für Momente wie diese, in denen du dich wie ein Tropf fühlst, habe ich eine Botschaft für dich. In der Tat bist du nicht mehr als ein winziger Tropfen – aber im Ozean. Der besteht aus Abermillionen solcher Tropfen, die miteinander ein Ganzes bilden und friedlich hin- und herwogen. Stell dir das mal vor! Lass das Bild in dich hineinsinken und fühle, wie es ist, in ein riesiges Meer einzutauchen, sich hineingleiten zu lassen – und getragen zu werden. Da hörst du nichts mehr, da siehst du nichts mehr, da wirst du einfach Teil und beginnst, mit zu wogen.
Als Wasser im Wasser löst du dich nicht auf, sondern im Gegenteil: du weitest dich. Du nimmst alles auf, was die anderen Tropfen erfüllt, gibst ab, was du nicht brauchst, erneuerst dich fortwährend, hast an allem teil, bist ein Tropfen unter Tropfen und ihr alle miteinander – wir alle miteinander sind der Ozean.
Stell dir das mal vor, wenn dich das nächste Mal das Tropf-Gefühl überkommt. Wenn sich Unzufriedenheit, Sehnsucht oder Neid sich in dir sammeln. Schließe dann für eine Sekunde die Augen, sinke in Gedanken in den Ozean und lass dich von all dem durchfluten, was du jetzt brauchst. Denn: Irgendein anderer Tropfen hat sich genau das längst kreiert und hat so viel davon, dass du dich gern bedienen darfst – im Ozean ist alles immer im Übermaß vorhanden und geht niemals verloren, denn der Ozean ist Energie.
Die Freude und der Erfolg der anderen gehören auch dir
Ds glückliche Paar auf der anderen Seite der Straße? Freu dich mit den beiden und teile ihre Liebe. Die Fernreise des Nachbarn? Bitte ihn, dir Bilder zu zeigen und zu beschreiben, wie es ihm dort ging, fühle mit. Die Beförderung der Kollegin? Freue dich mit ihr von Herzen, denn ihr Erfolg ist im Ozean des Daseins auch deiner. Versuche es!
Oder mache noch einen kleineren Schritt: Wenn du dich beim nächsten Mal über jemanden ärgerst, stell dir vor, dass er oder sie jemand ist, der dich sehr liebt. Deine Mutter, dein Kind. Mach es einfach. Die Sache bleibt vielleicht doof, aber das Beißen des Ärgers wird sofort verfliegen. Auch der- oder diejenige ist ja nur ein Tropfen. Die Verbindung, die du in diesem Moment imaginierst, ist schon der Ozean – und du bist immer nur einen winzigen Gedanken davon entfernt.
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